Systemische Aufstellung

Familienstellen

Menschen sind von Natur aus darauf angelegt, zusammenzuleben: in Wohngemeinschaften, Familien oder in einer Partnerschaft.

Doch die Realität sieht heute etwas anders aus. Rund 6,5 Millionen Singles leben in Deutschland. Viele von ihnen wünschen sich nichts sehnlicher als einen Partner. Doch das scheint nicht so einfach zu sein.

Und nicht nur das! Eheberatungsstellen und Familientherapeuten für Eltern und Kinder haben Hochkonjunktur. Der Grund: Oft gibt es systemische Verstrickungen innerhalb eines Familiensystems, die oft Jahrzehnte zurückliegen können und die der Betroffene meist nicht erkennen kann. Hier kann die »Ordnung der Liebe« helfen, wie es Bert Hellinger (geb. 1925), der berühmte Familientherapeut und Begründer des Familienstellens formulierte.

Mit Hilfe dieser Therapie ist es in den letzten 20 Jahren nicht nur ihm, sondern auch den über 2000 Therapeuten, die mittlerweile in Deutschland nach seiner Lehre arbeiten, gelungen, zahlreiche Heilungsprozesse in zwischenmenschlichen Bereichen in Gang zu setzen.

Wie funktioniert das Familienstellen?

Familienstellen - © Südwest Verlag/Seide
Im Rahmen eines Seminars von 10, 15 oder 20 Teilnehmern wird zunächst durch ein Vorgespräch ein wichtiges persönliches Thema eines Teilnehmers angesprochen und herausgearbeitet. Dabei kann es sich um ein Partnerschaftsproblem, ein Problem mit den Kindern oder im Beruf, um eine schwere Krankheit oder auch um ein Gewichtsproblem handeln. Im Workshop sucht sich der Betreffende unter den Seminarteilnehmern dann so genannte Stellvertreter für seine Familie aus – und zwar spontan und ohne groß nachzudenken. Vater, Mutter, Geschwister, die eigenen Kinder, gegebenenfalls auch weitere Verwandte werden im Raum aufgestellt. Dieses erste Bild verrät meist schon sehr viel über die Beziehungen der Familienmitglieder: Wie stehen die einzelnen Personen zueinander – eng oder weit auseinander? Welchen Blickwinkel haben sie – sind sie abgewandt oder blicken sie auf den Boden? Haben sie sich den Rücken zugekehrt? Wer steht nahe bei wem, wer weiter weg?

Das »wissende Feld«

Nun passiert meist etwas, das für alle Beteiligten immer wieder verblüffend ist: Sobald die Stellvertreter in ihrer Familienaufstellung stehen, übernehmen sie die Gefühle und Handlungsweisen der Personen, für die sie gestellt wurden. Das drückt sich auch in der Wortwahl aus, die zum Teil identisch ist mit der der echten Familienmitglieder. Der Familientherapeut spricht in diesem Fall von dem so genannten »wissenden Feld« – eine Ebene, die man zwar nicht genau kennt, die aber, verkürzt, besagt, dass alles mit allem verbunden ist.

Die »Ordnungen der Liebe«

Das Ziel der Familienaufstellung ist es, dass jedes Mitglied den Platz im System findet, an dem es sich wohl fühlt. Jetzt kommt es zu dem, was Bert Hellinger die »Ordnungen der Liebe« nennt. Teil dieser Ordnung ist zum Beispiel, dass der Erstgeborene seinen Platz vor dem Zweitgeborenen hat. Eltern kommen vor ihren Kindern. Kinder dürfen deswegen klein sein und von den Eltern nehmen, denn die Eltern sind die Gebenden. Das klingt eigentlich einleuchtend. Und doch ist es im wirklichen Leben manchmal so, dass die Rollen vertauscht sind. Etwa dann, wenn die Eltern durch ein eigenes schweres Schicksal ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Dann können die Kinder gar nicht anders, als ihren Eltern zu helfen und deren Rolle zu übernehmen. Dies geschieht zum einen aus tiefer Liebe zu den Eltern. Zum anderen, um selbst überlebensfähig zu sein. Dieses Muster bleibt in der Regel ein Leben lang erhalten, wenn es nicht aufgedeckt wird. Die Folgen sind, dass die längst erwachsenen Kinder entweder in einer kindlichen Liebe an den Eltern hängen und dadurch nicht frei sind für ihr eigenes Leben. Oder sie wenden sich irgendwann von ihren Eltern ab – und sind dadurch auf eine ungute Weise mit ihren Eltern verbunden.

Die »Familienseele«

Ein zweiter wichtiger Punkt sind Familienmitglieder, die ausgeschlossen wurden, beispielsweise, weil sie etwas Schlimmes getan haben, weil sie behindert sind und in ein Heim leben oder weil sie früh gestorben sind. Für eine Familie sind solche Zustände schwer zu ertragen. Deshalb gibt es nach Hellinger so etwas wie eine »Familienseele«, die dafür sorgt, dass kein Familienmitglied vergessen oder ausgeschlossen wird. Geschieht dies doch, so tritt ein Nachfolger oft in die Fußstapfen des vergessenen Familienmitglieds und verhält sich nahezu identisch.

Der heilende Effekt

Bei einer Familienaufstellung geht es deshalb auch immer darum, den Punkt zu finden, an dem die Liebe unterbrochen wurde. Auch Lebensübergänge, nicht gelebte Trauer und versäumter Abschied kann in einer Familienaufstellung nachgeholt werden. Vor allem aber wird deutlich, dass wir beileibe nicht so frei und individuell sind, wie wir das glauben. Doch dies hat auch einen heilenden Effekt, denn es macht deutlich, wie wichtig manche Ordnungen und Bindungen sind. Wenn wir anerkennen und würdigen was ist, setzen sich Entwicklungsprozesse und Selbstheilungskräfte in Gang. Dann werden wir frei für unser eigenes Leben.

Quelle: http://www.metabolic-balance.com

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Coaching, CQM abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.